Beiträge von Kirsten

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    Ich habe von Lorenz Wagner „Der Junger, der zu viel fühlte“ gelesen. Es ist die Geschichte des weltbekannten Hirnforschers Henry Markram und seines autistischen Sohnes Kai. Als klar ist, dass Kai Autist ist, setzt der Vater alles daran, Autismus zu erforschen. Der Weg ist von vielen Rückschlägen geprägt und dem Abgleich mit der Realität (Kai), was schließlich gegen Ende des Buches und als Kai fast erwachsen ist den Durchbruch bringt. Henry Markram stellt fest, dass Autismus kein Defizit ist, sondern ein Zuviel. Dadurch kommt es schnell zur Überreizung und Überaktion des Gehirns. Insbesondere die ersten 6 Lebensjahre sind laut Markram eine besonders sensible Zeit (aufgrund der starken Hirnentwicklung), die mitentscheidend sind, wie stark der Autismus ausgeprägt wird. Er empfiehlt auf Grundlage dieser Erkenntnis bei autistischen Kindern ein ganz ruhiges und vorhersehbares Leben ohne Überraschungen und auch möglichst ohne Fernsehkonsum. Erst nach diesen sechs Jahren soll man im Tempo und nach Wunsch des Kindes mehr äußere Reize zulassen. Er hat das bei seinem Kind übrigens (in bester Absicht) ganz anders gemacht.

    Mein Fazit: Es ist ein interessantes Buch, das gekonnt Wissenschaft und Lebensgeschichte miteinander verbindet. Allerdings ist es nicht immer so flüssig zu lesen, da es immer wieder verschieden große Zeitsprünge nach vorne und hinten gibt. Ich würde dieses Buch insbesondere Eltern mit (möglicherweise) autistischen Kindern ans Herz legen. Man spürt die Liebe zwischen den Personen und allein das macht es schon lesenswert.

    Wir haben die Serie jetzt fertig geguckt und mein Fazit ist durchwachsen. Also an sich ist die Serie unterhaltsam mit lustigen und ernsten Momenten. Allerdings fand ich es für problematisch, wie sehr lügen verharmlost wurde. Besonders die Eltern lügen häufig und das auch aus meiner Sicht oft so unnötig. Also es entsteht oft kein Vorteil/Schutz o.Ä. daraus. Es hat eigentlich immer nur negative Folgen im Nachhinein. Die Probleme der Familie sind aber grundsätzlich nachvollziehbar und auch die Dynamiken, die sich daraus entwickeln.
    Der Autismus und die Probleme des Sohnes sind gut dargestellt, allerdings fehlen aus meiner Sicht die Probleme des Umfelds. Eigentlich sind fast alle sehr verständnisvoll und unterstützend, sodass er mit nur wenigen Schwierigkeiten seinen Weg kann. Die Mutter ist - für mich völlig unverständlich - in Bezug auf die Lebensträume ihres Sohnes negativ und ausbremsend. Der Vater ist dagegen sehr unterstützend.
    Also alles in allem kann man sich die Serie schon angucken, aber man darf keine zu hohen Erwartungen haben.

    Mein Mann und ich haben die Serie angefangen und die ersten drei Folgen geguckt. Ich finde sie bisher gut.
    Auffallend ist allerdings, dass es mal wieder sehr stereotyp ist, aber ich finde trotzdem interessant und mit Momenten zum Lachen. Die Eltern finde ich teilweise nicht nachvollziehbar. Vermutlich soll das aber auch zeigen, was passiert, wenn man sich entfremdet oder sich permanent kümmert und verantwortlich fühlt.

    In Ansätzen konnte ich uns da auch drin sehen und ich bin gespannt, was noch so passieren wird.

    Kennt ihr schon den Film „Wochenendrebellen“? Ich habe ihn vor kurzem mit meinem Mann geschaut und er ging uns beiden nah. Er beruht übrigens auf einer wahren Begebenheit.

    Es geht um einen ca. 1-jährigen autistischen Jungen, der mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester wohnt. Seine Mutter kümmert sich um alles, sein Vater arbeitet extrem viel und bekommt vom Alltag nur wenig mit. Der Junge bekommt Probleme in der Schule, weil er nicht dazugehört. Alle Jungs haben einen Lieblingsfußballverein, nur er nicht. Deshalb will er einen finden. Dafür nimmt er seinem Vater das Versprechen ab, dass er sich alle im Stadion anschauen darf, denn es müssen einige Kriterien erfüllt sein, dass ein Verein eine Chance bei ihm hat. Sein Vater reist daraufhin fast jedes Wochenende (natürlich klimaneutral mit der Bahn) mit seinem Sohn zu verschiedenen Fußballvereinen.

    Die Entwicklung der Vater-Sohn-Beziehung ist wirklich schön dargestellt und eine Erkenntnis des Vaters fand ich sehr treffend. Er sagt sinngemäß: „Wir können ihn nicht aus seinem Aufzug herausholen. Wir können nur mit ihm fahren.“ Das fasst für mich das Zusammenleben mit einem Autisten ziemlich gut zusammen.